Cesare Brandi

Ratschläge für den Sammler:

Vorbeugende Maßnahmen für Leinwandgemälde:

Klima: Leinwandgemälde sollten das ganze Jahr über einer möglichst gleich bleibenden relativen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sein. Im Gegensatz zu Holztafelgemälden vertragen Gemälde auf textilen Bildträgern ohne Schaden auch niedrigere Werte relativer Luftfeuchtigkeit bis hinauf zu 40%. Darauf zu achten ist jedoch, dass ein bestimmter Wert innerhalb der Sicherheitsgrenzen von 40 – 60% im Sommer wie im Winter möglichst konstant gehalten wird.

Zum Aufhängen von Leinwandgemälden ungeeignet sind feuchte Wände sowie kalte Außenmauern, an denen sich Kondensfeuchtigkeit bilden kann. Es muss darauf geachtet werden, dass an der Rückseite der Bilder keine Zone hoher Luftfeuchtigkeit entsteht, da sich dort Pilze und Bakterien ansiedeln können, die die Leinwand zerstören.

Guten Schutz gegen mechanische Verletzungen, Verschmutzungen und kurzzeitige Klimaschwankungen von der Rückseite her bietet ein starrer Deckel aus luftdurchlässigem Material, der rückseitig auf dem Keilrahmen befestigt ist. Als Materialien für den Rückseitenabschluss eigenen sich Kartons und Faserplatten; jedoch keine luftundurchlässigen Materialien wie Kunststoff und Metall.

Licht: Um Lichtschäden weitgehend zu vermeiden, sollten Gemälde auf Dauer möglichst keiner höheren Beleuchtung als 150 Lux ausgesetzt werden. Gemälde sollten jedoch auch nicht in völliger Dunkelheit, wie z.B. in dunklen Depoträumen oder Safes aufbewahrt werden, da Malfarben im Dunkeln stärker gilben. Das Gilben im Dunkeln ist bei noch jungen Ölfarben am Stärksten; mit zunehmendem Alter nimmt es ab.

Verglasen von Gemälden: Im Gegensatz zu älteren Gemälden mit verhältnismäßig dicker Firnisschicht, lässt sich der Schmutz von Gemälden mit matter, ungefirnisster oder schwach gefirnisster Oberfläche nicht mehr oder nur mit Verlust der originalen Substanz entfernen. Solche Gemälde müssen durch Glas vor Verschmutzung geschützt werden.

Vorbeugende Maßnahmen für Holztafelgemälde:

Die wichtigste Maßnahme für die Erhaltung von Gemälden auf Holz ist eine über das ganze Jahr hin weitgehend gleichbleibende, nicht zu niedrige relativer Luftfeuchtigkeit. In Museen strebt man für Holztafelgemälde einen Wert zwischen 50 und 60% an, der nicht mehr als plus/minus 3% schwanken sollte. Dies ist die Idealforderung; doch kann man auch mit einfachen Befeuchtungs- und Entfeuchtungsgeräten die für hölzerne Bildtafeln notwendige Feuchtigkeit einigermaßen konstant halten.

Keinesfalls sollten Holztafeln über oder in der Nähe von Heizkörpern und anderen Wärmequellen hängen. Auch kurzzeitige Feuchtigkeitsschwankungen, die zum Beispiel infolge rascher Erwärmung durch Sonnenstrahlen oder starker künstlicher Beleuchtung auftreten können, wirken sich nachteilig auf Holzttafelgemälde aus.

Insektenbefall: Holzzerstörende Insekten können die Bildtafeln mit zahlreichen Tunnels durchziehen, so dass diese nur noch aus dünnen, wabenartigen Zwischenwänden bestehen. An der Oberfläche ist das Holz oft papierdünn und kann leicht einbrechen. Es empfiehlt sich, Holztafelbilder regelmäßig auf Insektenbefall hin zu untersuchen, so dass frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden können.

Befestigung im Rahmen: Schäden an Holztafelgemälden können auftreten, wenn sie in ungeeigneter Weise starr mit dem Zierrahmen verbunden sind. Beispiele dafür sind am Rahmen festgeschraubte, durch aufgeschraubte Holzleisten im Rahmen festgeklemmte, mit starken Nägeln an den Rahmen genagelte oder mit starken Messingbändern festgehaltene Tafeln. Da die Tafel auf klimatische Schwankungen mit Ausdehnung, Schrumpfung oder Wölbung reagiert, muss ihr die notwendige Bewegungsfreiheit eingeräumt werden. Die Befestigung im Zierrahmen geschieht am besten mit Stahlfedern, die auf den Rand der Tafel zwar eine gewissen Druck ausüben und das Krümmen erschweren, es jedoch nicht gänzlich hindern. Da die Federn auf den Rändern der Tafel nur aufliegen, ist das Schwinden und Quellen in der Fläche ungehindert möglich.

Vorbeugende Maßnahmen für Malerei auf Kupfertafeln:

Klima: Gemälde auf Kupfer sollten wegen ihrer Stoß- und Druckempfindlichkeit an der Rückseite durch eine Hartfaserplatte mit einer Zwischenlage aus Filz geschützt werden. Auf keinen Fall dürfen sie ohne Rahmen aufbewahrt oder transportiert werden. Kupfertafeln sind unempfindlich gegen Feuchtigkeitsschwankungen. Stärkere Erwärmungen, wie z.B. durch direktes Sonnenlicht sollte vermieden werden.

Entfernen von Oberflächenschmutz: Schmutzablagerungen können Bilder dunkel und unansehnlich machen. Beispiele hierfür sind Gemälde in Räumen, in denen viel geraucht wird. Um den teerigen, festsitzenden Belag zu entfernen, sind Substanzen erforderlich, die in der Hand des Laien ein Bild zerstören können! Der Sammler sollte deshalb jegliche Reinigung, die über das trockene Abwischen mit einem weichen Staubpinsel hinausgeht, dem Restaurator überlassen.

Für das Abstauben von Gemälden und Zierrahmen eignen sich hervorragend buschige Haarpinsel, die zum Auftragen von Gesichtspuder verwendet werden und preiswert in Drogerie-Märkten erhältlich sind.

Vermeiden Sie auch Staubtücher, da die Gewebefäden an aufstehenden Farbschollen hängen bleiben und diese abbrechen können. Auch Staubwedel aus Federn sind nicht zu empfehlen; es passiert sehr leicht, dass versehentlich das innere Drahtgerüst die Bildfläche berührt und Kratzer verursacht.

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