Portrait, 20er Jahre

Ethik der Restaurierung

Jedes Werk, das ich restauriere, ist ein Einzelfall mit einer Vielzahl von Problemen, die ich lösen muss. Eine Grundregel befolge ich dennoch immer: Soweit verantwortbar, soll so viel wie möglich des im Laufe der Zeit von Menschenhand Zugesetzten und Entstellenden entfernt und so wenig wie möglich an Neuem beigefügt werden.

Der Verlauf einer Restaurierung hängt immer von der jeweils vorliegenden Situation ab. Die Beschaffenheit des Objektes, der Erhaltungszustand, die Art der Schäden wie auch die spezifische Zielstellung bestimmen die Maßnahmen. Ein Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert verlangt ein anderes Konzept als ein Acrylgemälde aus dem 20. Jahrhundert.

Reversibilität

Der moderne Restaurator setzt Techniken ein, die nur gering auf das eigentliche Kunstwerk einwirken, und Materialien, die möglichst leicht und vollständig entfernt werden können. Die so genannte Reversibilität der Maßnahmen und Materialien ist eine moderne Forderung. Jeder Eingriff soll als provisorisch verstanden werden. Jede Restaurierung interpretiert das Kunstwerk nach dem Geschmack seiner Zeit. In der Zukunft können heutige ästhetische Vorlieben geringgeschätzt werden oder neue, bessere Restaurierungstechniken aufkommen. Deshalb müssen die angewandten Mittel jederzeit wieder entfernt werden können, ohne dass die originale Malschicht leidet.

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